Internationale Studierende sind ein wichtiger Teil der österreichischen Hochschulen. Trotzdem stoßen insbesondere Studierende aus Drittstaaten noch immer auf zahlreiche strukturelle Hürden. Der Pass entscheidet mit darüber, wie viel jemand für das Studium bezahlt, wie einfach neben dem Studium gearbeitet werden kann und welche bürokratischen und finanziellen Belastungen bewältigt werden müssen.
Lange Zulassungs- und Aufenthaltsverfahren, komplizierte Beglaubigungs- und Anerkennungsverfahren und schlecht aufeinander abgestimmte Fristen können dazu führen, dass Studierende ihr Studium nicht rechtzeitig beginnen oder sogar ein Semester verlieren. Besonders problematisch ist, dass Hochschulen, Aufenthaltsbehörden, Botschaften, Konsulate und Vorstudienlehrgänge oft nicht ausreichend aufeinander abgestimmt sind. Studierende werden von einer Stelle zur nächsten geschickt und müssen dieselben Unterlagen teilweise mehrfach einreichen. Die Folgen dieser institutionellen Probleme dürfen nicht länger bei den Studierenden landen.
Deshalb braucht es einfachere, schnellere und besser abgestimmte Verfahren: elektronische Antragstellung, digitale Einsicht in den Verfahrensstand, ausreichend Personal bei den zuständigen Behörden, verständliche Informationen und zentrale Verfahrensschritte auch auf Englisch sowie englischsprachige Beratungsmöglichkeiten. Auch Beglaubigungs- und Anerkennungsverfahren müssen einfacher und einheitlicher werden. Niemand darf wegen bürokratischer Verzögerungen ein Semester verlieren.
Auch bei den Sprachkursen besteht dringender Handlungsbedarf. Wer von internationalen Studienwerber_innen Sprachkenntnisse verlangt, muss auch sicherstellen, dass diese unter leistbaren Bedingungen erworben werden können. Im Vorstudienlehrgang der Wiener Universitäten (VWU) fehlen dafür teilweise Plätze, wodurch Studierende auf wesentlich teurere Angebote ausweichen müssen. Wir fordern deshalb einen bedarfsgerechten Ausbau und eine bessere öffentliche Finanzierung des VWU und der Sprachzentren. Auch Studierende an Fachhochschulen müssen Zugang zu leistbaren und qualitativ hochwertigen Sprachkursen erhalten. Langfristig braucht es kostenlose Deutsch- und Englischkurse für Studierende an allen österreichischen Hochschulen.
Gleichzeitig muss die finanzielle Schlechterstellung von Drittstaatsstudierenden beendet werden. Wer an derselben Hochschule studiert und dieselben Leistungen in Anspruch nimmt, darf nicht allein aufgrund des Passes mehr bezahlen müssen. Drittstaatsstudierende zahlen an öffentlichen Universitäten grundsätzlich höhere Studienbeiträge und tragen gleichzeitig zusätzliche Kosten für Aufenthaltstitel, Beglaubigungen, Übersetzungen und Versicherungen.
Wir fordern daher die Abschaffung der nach Staatsangehörigkeit differenzierten Studienbeiträge, einen besseren Zugang zu finanziellen Unterstützungsleistungen, flexiblere Regelungen beim Studienerfolgsnachweis und einen einfachen und durchgehenden Zugang zur studentischen Krankenversicherung. Soziale Absicherung und ein erfolgreiches Studium dürfen nicht von der Staatsangehörigkeit abhängen.
Auch beim Arbeiten braucht es endlich weniger Bürokratie. Viele internationale Studierende sind auf Erwerbsarbeit angewiesen, um Studium und Lebensunterhalt zu finanzieren, und sammeln dabei wichtige Berufserfahrung. Zusätzliche Beschäftigungsbewilligungen erschweren den Zugang zum Arbeitsmarkt jedoch unnötig. Die Arbeitsberechtigung muss direkt mit dem Aufenthaltstitel für Studierende verbunden werden. Auch die 20-Stunden-Regel muss flexibler werden – insbesondere bei Praktika, studienbezogenen Beschäftigungen und während der lehrveranstaltungsfreien Zeit.
Und die Perspektive darf nicht mit dem Studienabschluss enden. Österreich bildet internationale Studierende aus, erschwert ihnen aber weiterhin den Einstieg in den österreichischen Arbeitsmarkt. Gerade am Beginn einer Karriere sind Teilzeitstellen, befristete Projektverträge oder Arbeitsplatzwechsel normal. Der Aufenthaltsstatus darf dadurch nicht gefährdet werden.
Wir fordern deshalb eineinhalb Jahre Zeit für die Arbeitssuche nach dem Studienabschluss, mehr Flexibilität bei Teilzeitstellen und Projektverträgen, einfachere Arbeitsplatzwechsel und einen unkomplizierten Übergang in ein weiterführendes Studium. Wer in Österreich einen Abschluss macht, braucht eine realistische Perspektive, die erworbenen Qualifikationen auch hier einsetzen zu können.
Internationale Studierende sind kein Randthema der österreichischen Hochschulpolitik. Sie sind Teil unserer Hochschulen und müssen gleichberechtigt am Hochschul- und gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Wer in Österreich studiert, muss hier unter fairen Bedingungen lernen, leben und arbeiten können.
Dafür tragen Ministerien, Universitäten, Fachhochschulen, Aufenthaltsbehörden, Botschaften und Konsulate, OeAD und AMS gemeinsam Verantwortung. Die Folgen fehlender Ressourcen, mangelnder Abstimmung und unnötiger Bürokratie dürfen nicht länger auf internationale Studierende abgewälzt werden.
Internationale Studierende sind keine Studierenden zweiter Klasse. Gleiche Rechte im Studium dürfen keine Frage des Passes sein.

